Einleitung

Das Handeln von Umkehrsignalen und Umkehrformationen ist unter Tradern eine weit verbreitete Strategie. Zum besseren Verständnis der Beschreibung werden Grundkenntnisse in Charttechnik und Candlesticks vorausgesetzt. Grundsätzlich kann man feststellen, dass die Aussagekraft dieser Signale zunimmt, je höher die Zeitebene ist. Ein Signal auf Tagesbasis ist demnach deutlich zuverlässiger als eine Formation im Fünf Minuten Chart. Gleichwohl lassen sich diese Signale auch in kurzen Zeitebenen erfolgreich umsetzen.

Ich verwende diese Strategie in verschiedenen Zeitebenen, wobei ich die entstehende Situation in den jeweils höheren Ebenen auf Korrelation überprüfe. Bei der Beschränkung auf möglichst eindeutige Signale und mit etwas Geduld lässt sich eine recht gute Trefferquote erzielen.

Da sich der zukünftige Kursverlauf eines Wertpapiers nicht sicher vorhersagen lässt, ist es wichtig zu verstehen, dass es sich beim Traden dieser Strategie um die Spekulation auf einer Richtungsänderung handelt, nicht um deren Vorhersage. Je eindeutiger das Umkehrsignal im Chartverlauf auftritt, desto besser sind die Resultate.

Spekuliert wird hierbei auf folgende Szenarien:

  • Beginn oder Ende eines Trends mit Richtungswechsel des Kursverlaufes
  • Beginn einer Korrektur innerhalb des laufenden Trends
  • Beginn einer neuen Bewegung innerhalb des laufenden Trends

Als Auslöser dieser Richtungsänderung werden nachfolgende, im Chartbild an bestimmter Stelle auftretende Kerzen angenommen. So wie ich diese Strategie anwende, halte ich mich jedoch nicht stur an die Lehrbuchmeinungen zur Formationslehre, sondern nutze den Spielraum eines diskretionären Traders für eigne Interpretationen der jeweils vorliegenden Situation. Zusätzlich warte ich noch auf die Bestätigung durch die nach dem Umkehrsignal folgende Kerze. Ich warte nicht unbedingt auf deren Vollendung, sondern aktiviere meine Order, sobald mir die Situation eindeutig erscheint.

Kerzen (Candlesticks)

Das Auftreten der nachfolgenden Kerzen, die auch als "Umkehrstäbe" bezeichnet werden, dient für mich als Auslöser dafür, das Traden diese Strategie zu erwägen. Allerdings muss man hierbei sehr zügig vorgehen, um einerseits die Situation richtig zu erfassen, und andererseits die richtige Order an der richtigen Position vorzubereiten.

Umkehrsignale

Die einzelnen Symbole von links nach rechts:
Longsignale: Hammer weiß, Dragonfly, Hammer schwarz, Formation Morning Star
Shortsignale: Shooting Star weiß und schwarz, Gravestone Doji, Evening Star

Nach meinem Verständnis müssen diese Signale aber nicht unbedingt in perfekter Form auftreten. Natürlich ist ein weißer Hammer ein stärkeres Long Signal als ein schwarzer Hammer. Da aber noch weitere Parameter in die Entscheidungsfindung einfließen, möchte ich diesen Punkt nicht überbewerten.

Chartbilder

Ein weiteres Kriterium für das Traden dieser Strategie ist die Position der betreffenden Kerze im Chartbild. Ein Short Signal sollte deutlich am oberen Ende einer Aufwärtsbewegung positioniert sein (Abb. 1). Ein Long Signal, hier ein Morning Star, am unteren Ende (Abb. 2).

Chartbild Umkehrsignale

Entry und Stopp

Auch hier verwende ich eine, oftmals von der offiziellen Definition abweichende Taktik. Wie in den Abbildungen 3 (short) und 4 (long) zu sehen, wird das Entry 1-2 Punkte über (long), bzw. 1-2 Punkte unter (short) die relevante Kerze platziert. Entsprechend wird mit dem Stopp verfahren. Wichtig hierbei ist die Ordererteilung. Noch während das Umkehrsignal unbestätigt ist, wird eine inaktive Bracket-Order platziert.

Sobald der Moment für das Entry gekommen ist, wird die Order aktiviert. Das ist natürlich nur dann möglich, wenn der Kurs innerhalb der Folgekerze noch nicht "weggelaufen" ist. Hier gilt es, den richtigen Zeitpunkt abzuwägen, je nach Situation und Stärke des Signals. Es spielt die Erfahrung des Traders eine große Rolle, da es einen Ermessensspielraum gibt, wann die Order noch aktiviert wird, und wann nicht mehr. Zudem sind eine präzise Auffassungsgabe, sowie ein schnelles und sicheres Beherrschen der Trading-Plattorm unabdingbar. Dies sollte bei Vorab in einer Demo Version der Trading Software trainiert werden.

Bei der Platzierung des Stopp Loss ist zu prüfen, ob im Chartbild bereits eine charttechnisch relevante Marke auf diesem Kursniveau existiert. Eventuell sollte der Stopp aufgrund dieser Erkenntnisse versetzt werden. Möglicherweise führt die Chartmarke auch dazu, dass der Stopp zu weit entfernt plaziert werden müsste, sodass der Trade nicht in Frage kommt. Anhand der Entfernung vom Entry zu Initial Stopp (1R) ist anschließend ein mögliches Kursziel zu definieren, um das CRV zu ermitteln.

Ablauf

Erster Schritt ist somit die Beobachtung der Charts auf Fünfzehn-, Fünf,- und Minuten Basis. Hierbei ist darauf zu achten, dass der geplante Trade von den Charts der höheren Zeitebenen unterstützt wird. Was bedeutet das? Wenn beispielsweise ein Long Trade angedacht ist, d.h. der Kurs liegt im Minuten Chart im unteren Bereich, sollten Fünf- und Fünfzehn Minuten Chart nicht ausgerechnet dicke Short Signale liefern. Wird ein entsprechendes Umkehrsignal ausgebildet, müssen folgende Kriterien möglichst vollständig erfüllt werden:

  • Die Kerze sollte ein Mindestlänge von ca. 5-6 Punkten aufweisen
  • Der Kerzenkörper sollte in Relation zu Docht bzw. Lunte möglichst klein sein
  • Ideal ist ein kleiner weißer Körper für long, und ein schwarzer Kerzenkörper für short
  • Die optimale Position für das Long Signal ist am bisherigen Tiefpunkt der Abwärtsbewegung, für Short am Hochpunkt
  • Die Charts der höheren Zeitebenen dürfen der geplante Handelsrichtung nicht entgegenstehen
  • Die Folgekerze muss das Umkehrsignal bestätigen
  • Bei eher kleineren Kerzen ist ein sinnvoller Stopp zu ermitteln
  • Der Trade sollte ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) anbieten

Fehlsignale

Chartbild Umkehrsignale

Die Abbildungen 5 (short ?) und 6 (long ?) zeigen zwei typische, häufig vorkommende Fehlsignale. in beiden Fällen zeigt das Chartbild zunächst ein Umkehrsignal, welches jedoch nicht bestätigt wird. Vielmehr ist in beiden Beispielen die nächste Kerze so weit entfernt, dass es zu keinem Entry (blaue Linie) kommt. Natürlich ist das Chartbild nicht immer so wunschgemäß und eindeutig. Man wird eben auch ab und zu ausgestoppt. Entscheidend ist jedoch, dass sich die Signale sehr häufig im Chart durchsetzen.

Fazit

Eine Strategie, die sich mit einigen Kenntnissen in Charttechnik, Beherrschung der Handelsplattform und Trading Erfahrung gut umsetzen lässt. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine fundamentalen Informationen erforderlich sind. Alle notwendigen Details liefert der Chart. Die Strategie lässt sich sehr gut Intraday handeln, wodurch ein Overnight Risiko wegfällt.


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Trading Strategie Umkehrsignale