Betrachtungen zum Risiko

Oberste Priorität im Trading hat der Erhalt des Kapitals. Daher ist es von enormer Wichtigkeit, das maximal zulässige bzw. gewünschte Risiko jeder neuen Position vorab festzulegen.

Sind Aufgrund der Handelssystematik des Traders mehrere Positionen zeitgleich geöffnet, muss zusätzlich auch das Gesamtrisiko des Portfolios betrachtet werden. Hierbei ist darauf zu achten, inwieweit die einzelnen Positionen miteinander, und mit den gehandelten Märkten korrelieren.

Da eine zuverlässige Prognose der Märkte nicht möglich ist, ist dem Trader nicht bekannt, welchen Verlauf der nächste geplante Trade nehmen wird. Weiterhin ist es natürlich gut möglich, dass mehrere Trades hintereinander einen negativen Verlauf nehmen werden. Verfügt der Trader bereits über eine längere Handelsstatistik, so ist es zumindest möglich, den bisherigen maximalen Drawdown zu bestimmen. Mindestens mit diesem bisherigen, maximal negativen Verlauf muss jedoch jederzeit gerechnet werden. Das bedeutet, man kann ohne weiteres, auch bei einer Strategie mit grundsätzlich positivem Verlauf, fünf mal, oder auch noch öfter, hintereinander ausgestoppt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Erfahrung des Traders. Einmal bezogen auf die gehandelte Strategie, zum anderen auf den Markt im Allgemeinen. Es dürfte einleuchten, das ein Trader, der genau weis, was er tut, ein höheres Risiko aushalten kann, als ein Anfänger. (Der schlechter informierte Börsenneuling ahnt das allerdings vorher meist nicht)

Als letztes spielt noch eine Rolle, wie gut ein Trader seine Strategie umsetzten kann. Ist er diszipliniert genug, seine Stopps einzuhalten, ist eher eine etwas größere Position möglich. Werden die Trades jedoch ständig vorzeitig (meist aus Angst) beendet, ist fast immer die Position zu groß.

Wie groß sollte eine Position nun also sein? Zur Beantwortung dieser Frage ist eine Betrachtung der Situation aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erforderlich. 1.) Wie hoch darf das maximale Verlustrisiko pro Position sein, und 2.) Wie viel Kapital darf ich maximal pro Position einsetzen. Beide Faktoren begrenzen unabhängig von einander die Größe eines geplanten Investments.


Verlustrisiko pro Position
 

Schritt 1: Wie viel Prozent Risiko vom Kapital?

Hier geht es um die Frage: "Welchen Betrag will oder kann ich maximal verlieren, wenn ich bei dem nächsten geplanten Trade ausgestoppt werde"? Allgemein wird hier ein Prozentsatz vom gesamten verfügbaren Tradingkapital festgelegt. Dieser Satz liegt, je nach den Umständen, zwischen 0,5 und maximal 3,0 %. Ein erfahrener Trader mit einer getesteten Strategie kann ohne Probleme 2% seines Kapitals pro Trade riskieren. Ein Anfänger sollte zu Beginn höchstens 1% Verlust pro Trade einkalkulieren.

Zu Berücksichtigen ist hierbei unbedingt, dass es in schnellen Marktphasen, je nach gehandeltem Produkt, zu erheblicher Slippage kommen kann, bis der Stopp Loss gefilled wird. Die Slippage vergrößert den Abstand zwischen Entry und Stopp Loss, sodass sich auch der Betrag (das Risiko!) pro gehandelter Einheit vergrößert. Dieser Umstand sollte bei der Kalkulation unbedingt berücksichtigt werden.

Schritt 2: Wie viel Aktien, CFD´s, Futures oder Zertifikate darf ich maximal bewegen?

Hierzu ist es zunächst völlig unerheblich, ob es sich um ein gehebeltes oder ungehebeltes Instrument handelt. Natürlich kann man mit einem Margin Konto mehr Aktien CFD`s handeln als mit einem normalen Konto in Aktien, die komplett bezahlt werden müssen. Es geht hier aber um den maximal tolerierbaren Verlust der Position, und dafür ist die Höhe der Investition zunächst unerheblich.

In Schritt 2 wird nun der Kurs ermittelt, zu dem die geplante Position eröffnet werden soll. Anschließend wird unter Berücksichtigung des Chance Risiko Verhältnisses (CRV) ein charttechnisch sinnvoller Initial Stopp definiert. Die Differenz zwischen Kurs Entry und Stoppkurs ergibt nun den maximalen Verlust für eine Einheit. (Kontrakt, Aktie, CFD o.ä.)

Zuletzt wird nun noch der maximale Gesamtverlustbetrag aus Schritt 1 durch den soeben ermittelten Einzelverlustbetrag dividiert, sodass sich die mögliche handelbare Stückzahl ergibt - Fertig.


Formel

Hier nun eine einfache Formel zur Berechnung der Positionsgröße. Als Differenz zwischen Kurs Entry und Stoppkurs ist eine positive Zahl erforderlich, daher gilt zur Ermittlung des Risikos für eine Einheit Long: Entry-Stopp, und für Short: Stopp-Entry.

Beispiel Long: Positionsgröße in Stück = ( Kapital * max. Verlust in % ) / ( Entry - Stopp )

Beispielwerte: Kapital 10.000 €, max. Verlust 1,0%, Entry 13,40 €, Stoppkurs 12,96 €

Positionsgröße = ( 10.000 * 1,0% = 100 € ) / ( 13,40 - 12,96 = 0,44 € ) ... 100 / 0,44 ... 227 Stück


 

Beispiel Short: Positionsgröße in Stück = ( Kapital * max. Verlust in % ) / ( Stopp - Entry )

Beispielwerte: Kapital 10.000 €, max. Verlust 1,0%, Entry 13,60 €, Stoppkurs 14,02 €)

Positionsgröße = ( 10.000 * 1,0% = 100 € ) / ( 14,02 - 13,60 = 0,42 € ) ... 100 / 0,42 ... 228 Stück


 

Das oben angeführte Beispiel Long noch einmal in Worten. Der Trader hat ein verfügbares Kapital von 10.000 €, und er möchte maximal 1% seines Kapitals für den nächsten Trade riskieren. Also genau 100 €. Der geplante Kaufkurs der Aktie (oder des CFD`s) beträgt 13,40 €. Den Stoppkurs möchte er knapp unter einer signifikanten Chartmarke platzieren, wenn der Trade eröffnet wurde.
(Order If done Stopp @ 12,96 €)

Es ergibt sich somit eine Differenz von Entry zu Exit von 0,44 €. Er riskiert demnach (ohne Slippage) 0,44 € pro Aktie (CFD). Da er bereit ist, eine Gesamtrisiko von 100 € für diesen Trade einzugehen, teilt er nun noch 100 durch 0,44 und kommt auf 227. Dies ist die maximale Menge an Aktien die er, bezogen auf das Positionsrisiko, kaufen darf.

Im nächsten Schritt soll nun ermittelt werden, wie groß die Position, bezogen auf das vorhandene Kapital, maximal sein darf.


Kapitaleinsatz pro Position

Unabhängig vom Risiko pro Position stellt sich nun noch die Frage, welchen Anteil meines Kapitals darf ich maximal pro Position investieren? Bei einem engen Stoppkurs, kann die über das Risiko ermittelte Positionsgröße, leicht einen viel zu großen Anteil erreichen.

Darf der Anteil einer einzelnen Position eines privaten Traders, und um den geht es hier, 2%, 10% oder gar 25% des vorhandenen Kapitals betragen? Leider lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, da einfach zu viele Parameter hierauf einwirken. Um einer Antwort jedoch etwas näher zu kommen, sind zumindest die nachfolgend aufgeführten Fragen zu berücksichtigen.

  • Wie viel Positionen werden insgesamt gleichzeitig gehalten
  • Wie korrelieren die einzelnen Positionen miteinander, mit dem Markt, mit der Branche, mit der Region
  • Wie ist die Long / Short Verteilung des Portfolios
  • Wie sind einzelne / alle Positionen gehebelt
  • Wie lange (Overnight?) sollen einzelne / alle Positionen gehalten werden

An dieser Aufstellung wird die Komplexität dieser Aufgabe schnell deutlich, die den Rahmen hier sprengt. Klar ist, dass ein Portfolio mit vier oder mehr Positionen genau auf die Parameter long / short, Währungsraum, Region, Branche und Marktsegment adjustiert werden muss. Wird nur eine einzelne Intraday Position, beispielsweise in einem Aktienwert, gehalten, ist dieses Investment natürlich anders zu beurteilen, als ein Engagement in Dax® Futures, oder vier gleichzeitig offenen CFD Overnight Positionen.

Bei gehebelten Instrumenten, und eher wenig Erfahrung des Traders, ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Man sollte sich hier immer vorab vergegenwärtigen, wie viel Volumen tatsächlich bewegt wird. Sonst kommt der Margin Call vielleicht schneller, als man es für möglich gehalten hätte.


Excel Tool zur Ermittlung der Positionsgröße

Hier finden Sie eine Excel Tabelle zur Berechnung von Positionsgröße und CRV:   Excel-Tool   Excel Tool zum Bestimmen der Positionsgröße



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Ermittlung der Positionsgröße